„Bens heimliche Liebe“ – Kurzgeschichte für Kinder

Ben liebt Einhörner – aber lange Zeit nur heimlich. Diese warmherzige Erzählung macht Kindern Mut, zu ihren Gefühlen zu stehen, ganz egal, was andere denken könnten. Denn Glitzer, Fantasie und Lieblingsdinge sind für alle da.
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Bens heimliche Liebe
Ben liebt Einhörner. Aber darf er das überhaupt? Er ist doch ein Junge! Und eigentlich sind Einhörner doch etwas für Mädchen, oder nicht? Also liebt Ben Einhörner heimlich, denn er will kein Mädchen sein. Er wünscht sich demzufolge auch keine Einhorn-Bücher, sondern geht nachmittags lieber heimlich in die Bibliothek und liest dort die Bücher mit dem geliebten Tier. Jedes Mal, wenn er die bunten Seiten umblättert und die glitzernden Bilder mit den Einhörnern betrachtet, spürt er ein warmes Glücksgefühl in sich aufsteigen. Doch er denkt, dass er das niemandem erzählen darf.
Er hätte gerne ein Einhorn-Kuscheltier, aber die sind immer rosa. Darum kuschelt Ben mit seinem Stoffzebra und stellt sich vor, es hätte keine Streifen, sondern dafür ein Horn auf der Stirn. Und wenn seine Lieblingsserie mit dem Einhorn im Fernsehen läuft und sein großer Bruder ins Wohnzimmer kommt, schaltet er immer ganz schnell um. Er will nicht ausgelacht werden.
Im Nachbarhaus wohnt ein Mädchen, das immer mit einigen Plastik-Einhörnern im Garten spielt. Lisa bemerkt, wie Ben sie heimlich beobachtet. Darum lädt sie ihn eines Nachmittags zum Mitspielen ein. „Willst du mit mir und den Einhörnern spielen?“, fragt sie Ben freundlich.
Bens Gesicht läuft rot an, während er verlegen auf seine Schuhe starrt. „Ähm … Ich weiß nicht“, murmelt er. Er würde gerne mitspielen, aber er traut sich nicht, zuzugeben, dass er Einhörner mag.
Lisa lächelt ihn aufmunternd an. „Ist doch okay. Du kannst ja auch bloß zugucken, wenn du möchtest.“
Am nächsten Tag lädt Lisa Ben zum Filmgucken ein. Sie schauen einen alten Film auf DVD, der von den Abenteuern eines Einhorns handelt. Ben kennt den Film nicht und er ist ganz aufgeregt.
Lisa bemerkt seine Begeisterung. „Magst du Einhörner?“, fragt sie vorsichtig.
Ben zögert, doch dann nickt er langsam. „Ja, ich mag sie wirklich sehr“, gesteht er schließlich. „Aber du darfst deswegen nicht lachen, denn Einhörner sind doch eigentlich nur etwas für Mädchen. Und ich bin ein Junge!“
Lisa schüttelt energisch den Kopf. „Puh, das stimmt doch überhaupt nicht! Einhörner sind für alle da! Jeder kann sie mögen, egal, ob man ein Junge oder ein Mädchen ist. Sogar mein Opa mag Einhörner, sagt er jedenfalls.“
Bens Herz fühlt sich plötzlich ganz leicht an. Er lächelt Lisa dankbar an. „Oh, okay.“
Von nun an spielen sie immer zusammen im Garten mit Lisas Plastik-Einhörnern. Und von seinem Taschengeld kauft Ben sich nun endlich auch sein erstes eigenes Einhorn. Ben fühlt sich endlich frei, seine Liebe für dieses Fabelwesen zu zeigen. Sein Bruder meint nur: „Cool“, als er Bens Einhorn sieht. Zum Geburtstag wünscht sich Ben ein großes Buch über Einhörner. Seine Eltern zeigen sich überrascht, freuen sich aber über den Wunsch.
Am Tag seines Geburtstags öffnet Ben aufgeregt das Geschenkpapier und hält sein eigenes Einhörner-Buch in den Händen. Er strahlt über das ganze Gesicht und weiß, dass all seine Befürchtungen umsonst waren und er einfach er selbst sein darf. Und das macht ihn noch glücklicher.






